Dienstag, 17. Februar 2015

Christian´s #Wutrede und wir, die mutigen Investoren und die Fakten

Lange war es still um die FDP. Und wenn man etwas hörte, wurde es auch noch medial ziemlich zerrissen. Aber da war doch etwas mehr als das regelmäßige bashing am Freitag Abend in der heute show: Aus einer großen liberalen Tradition heraus prägte diese Partei unser Land über viele Jahre. Und in einer Rückschau in einigen Jahre zeigt vielleicht die Hamburg-Wahl und der Start Up Mode der FDP, wie man neue Fundamente legt.

In der FDP selbst ist es mit ziemlicher Sicherheit nicht still. Auch ohne genaue Einblicke zu haben, kann man sich als  Externer aber vorstellen, dass eine Menge Menschen an vielen Strategien feilen, um die Partei politisch und medial wieder auf Kurs zu bringen. Für Euphorie sorgende Glanzstunden entstehen dann, wenn sich in diese Planungen Ereignisse einschleichen, die nicht besser hätten geplant werden können.

Am 29. Januar 2015 hielt FDP Bundesvorsitzender Christian Lindner eine Rede im nordrhein-westfälischen Landtag. Eigentlich wollte er der Ministerpräsidentin seinen Standpunkt zur Regierungserklärung erläutern. Bis zu einem Zwischenruf eines SPD-Landtagsabgeordneten, der die Rede zur vielzitierten #Wutrede veränderte. Man muss nicht unbedingt die politische Meinung teilen, aber aus Sicht des Konter und insbesondere die folgende mediale Aufmerksamkeit war das schon ganz großes Kino. Bis ein solcher Effekt jedoch in den digitalen Medien entsteht, passiert ein ganzes Stück mehr.

Wir haben darum bei der BCMG einmal mehr die FDP Monitoring Brille aufgesetzt: Analysiert man die Beiträge auf Youtube, nimmt die Aufzeichnungen des Landtags selbst oder beispielsweise die der WELT hinzu, so ist man schnell bei über 2 Millionen Views allein beim Video. Schauen wir uns Christian Lindner und die FDP darüber hinaus in allen digitalen Kanälen genauer an, so sorgte er innerhalb des Monats Januar gleich zwei Mal für eine überdurchschnittliche Aufmerksamkeit im Netz:
Blick auf die Peaks der Berichterstattung zu Christian Lindner
Zum einen zum traditionellen Dreikönigstreffen (erste Spitze in der Grafik) und zum anderen eben mit der spontanen Reaktion im Landtag (zweite Spitze in der Grafik). Während das Dreikönigstreffen geplante und sicherlich auch kostenintensive PR war, so konnte man die #Wutrede weder planen noch absehen. Und der Effekt war von längerer Dauer.

Für die FDP war sie ein gefundenes Fressen, denn die Aufnahme der Rede im Netz, in den Zeitungen und den sozialen Netzwerken war durchweg positiv oder neutral. Und das ganze kostenlos und exakt in der Zielgruppe.

Kaum negative Stimmungen bei der #Wutrede
Zwar wurde direkt nach der Rede in den sozialen Netzwerken über Christian Lindner diskutiert, aber erst nach einer Latenzzeit von drei Tagen und primär durch einen Auslöser auf bild.de (auch das verrät uns die Netzwerkanalyse unserer Monitoringwerkzeuge) ging es dann richtig los. Mit all den Konsequenzen und medialen Verläufen, die oben schon beschrieben worden sind.

Das einfach nur als kurze Übersicht zu den qualitativen und quantitativen Auswirkungen im Netz (mit besten Dank nach Berlin an ubermetrics, mit denen die Zusammenarbeit richtig Spass macht), aber erlaubt mir auch noch eine Anmerkung in eigener Sache:

Ganz Wenige wissen es ja, aber die Meisten eben nicht: Es war wirklich vollkommen anders, als das Thema  heute medial oftmals diskutiert wird. Wir können das sagen, denn wir als EnjoyVenture waren bei moomax als Investor mit dabei!

Leider wird in vielen Beiträgen so richtig dummes Zeug geredet. Mit den ganzen Social Media Kanälen und Diskussionen auf Twitter, Facebook und Co. kann ich gut leben, gehen sie doch weitestgehend im Rauschen des Netzes unter. Ernüchternd ist jedoch, wie oft die kritischen Journalisten mit Oberflächlichkeit und mit durch keine Sachkenntnis getrübtem Blick über einen wirtschaftlichen Vorgang von vor 15 Jahren berichten. Da wird beispielsweise schon einmal schnell Euro und DM durcheinander geworfen. Ein gewisses Basiswissen über Anteile einer GmbH können wir meiner Meinung nach auch von Wirtschaftsjournalisten erwarten, aber auch da hat uns die Realität eines Besseren belehrt: Bei Mechanismen wie Kapitalerhöhung oder Verwässerung Fehlanzeige. Und auch das beliebte und verbreitete Copy/Paste in einer Berichterstattung macht es nicht besser, oftmals wird überhaupt nicht gelesen oder verstanden, was man da wohl zusammen kopiert und weiter verbreitet.

Neben diesen Basisthemen wird sich mit dem damals geplanten Geschäftskonzept auch nicht wirklich beschäftigt: In 2000 war es unserer Ansatz, verschiedene innovative Technologien zu einem modernen natürlichsprachlichen User Interface zu integrieren und das hatte nur vordergründig etwas mit Avataren zu tun. Allein zu diesem Thema könnten ich eine ganze Menge schreiben. In 2000 waren das vielversprechende Ansätze in dem noch jungen Internet und das war damals nicht nur Second Life und Robert-T-Online, der für den anstehenden Telekom Börsenantritt warb.
Und dann die fundierten Netzbeiträge zur  KfW-Förderung: Ja, wir als Investor haben uns damals branchenüblich auch in Teilen über die KfW refinanziert und die KfW ist bis heute einer unser wichtigsten Partner im Beteiligungsgeschäft: Allein aktuell haben wir im Portfolio 12 gemeinsame Beteiligungen mit der KfW. Insofern kann die Zusammenarbeit und die gemeinsame Projektentwicklung über die Jahre ja so schlecht nicht sein. 

Ich sehe die Diskussion sportlich: Das Eine sind unbegründete Verdächtigungen im Rahmen des politischen Wettbewerbs. In Deutschland suchen wir aber mutige Gründer und die suchen mutige Investoren.

Kommentare:

  1. Kurz noch eine Anmerkung von mir: Textteile dieses Blog-Eintrags habe ich gemeinsam mit Maik Meid auf caretelligence.de erstellt und auch hier verwendet. Maik ist aber politisch noch nicht so weit, zu sehr durch die FDP Brille zu schauen. Er arbeitet aber an sich und dann ist er bestimmt auch Co Autor. Bis dahin, habe ich Textteile nur mit übernommen.

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  2. Ich verkneife mir jeden Kommentar zu Deinem Kommentar... #hüstel
    Maik

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